Lange Str. 35, 03238 Finsterwalde +49 163 6517485 Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.

Standpunkt zum Energieprojekt Finsterwalde: Industrielle Großplanung vs. regionaler Nutzen und Naturschutz

Als parteiunabhängige Wählergruppe haben wir uns intensiv mit dem geplanten Projekt „Sektorenkopplung Finsterwalde“ auseinandergesetzt. Nach Auswertung technischer Daten aus der Stadtverwaltung und von den Stadtwerken sowie Gesprächen mit Experten legen wir hiermit unsere Position dar. Wir lehnen das Projekt in der aktuellen Planung mit den uns vorliegenden Informationen u. a. aus folgenden Gründen ab:

Die dargelegten Inhalte spiegeln unsere Meinung bzw. Position wider und sind das Ergebnis intensiver Recherchen zu vergleichbaren Projekten in anderen Regionen. Alle Daten wurden nach bestem Wissen und Gewissen zusammengetragen. Die verwendeten Abbildungen dienen lediglich der groben Visualisierung der technischen Dimensionen.


1. Wirklich "Grüne Energie" für Finsterwalde?

Die offiziellen Zahlen zeigen eine massive Deckungslücke zwischen Erzeugung und Bedarf:

  • Der geplante (optimistische) Jahresertrag aus Wind (216 GWh) und Solar (196 GWh) liegt bei ca. 412 GWh.
  • Das Rechenzentrum benötigt inkl. Kühlung (lt. Vorlage) eine Gesamtleistung von 525 MW EL.
  • Dies entspricht einem Jahresbedarf von ca. 4.600 GWh. Die lokalen Anlagen decken somit weniger als 10% des Verbrauchs.

Über 90% des Stroms müssen dauerhaft aus dem öffentlichen Netz bezogen werden. Da die Stadt angibt den Elektrolyseur, das Rechenzentrum und dann andere Abnehmer zu versorgen, bleibt für die Stromversorgung der Bürgerschaft faktisch kein lokaler Ökostrom mehr übrig. Letztlich entscheidet vermutlich ohnehin der Investor über die wirtschaftlichste Verwertung des Stroms, weshalb eine Preissenkung für Stadtwerkekunden mehr als fraglich bleibt.

(Balkenplan: Bedarf vs. Erzeugung)

Lage am Schutzgebiet
(Kartengrundlage: NABU-Stiftung Nationales Naturerbe)

2. Eingriff in den Naturraum

Die Standorte (rote Punkte) der 11 Windenergieanlagen (WEA) sind aus ökologischer Sicht höchst kritisch:

  • Einige Anlagen sollen direkt im Naturpark Niederlausitzer Heidelandschaft errichtet werden, was großflächige Waldrodungen erfordert. Pro Windrad muss wahrscheinlich mit einem Kahlschlag von ca. 0,8 bis 1,2 Hektar während der Bauphase gerechnet werden; dauerhaft bleiben für Fundament, Kranstellflächen und verbreiterte Zufahrtswege etwa 0,5 bis 0,6 Hektar pro Anlage komplett baumfrei.
  • Die Anlagen grenzen unmittelbar an das NABU-Vogelschutzgebiet und das Naturparadies Grünhaus. Damit gefährdet das Projekt ein hochsensibles Ökosystem, in dem seltene und geschützte Vogelarten brüten oder ihre Flugrouten haben; das Risiko für Schlagopfer und die dauerhafte Vertreibung durch Lärm und Infraschall bedrohen die Artenvielfalt in diesem wertvollen Rückzugsraum.
  • Die 166m (Nabenhöhe) hohen Anlagen beeinträchtigen möglicherweise auch die Naherholung entlang der Rad- und Fußwanderwege (gestrichelte Linie) durch Lärm und optische Bedrängung massiv.

3. Bau außerhalb von Vorranggebieten

Brandenburg nutzt Windvorranggebiete, um den Ausbau der Windenergie über die regionalen Planungsverbände rechtssicher und ökologisch verträglich zu steuern.
Das geplante Gebiet ist kein ausgewiesenes Vorranggebiet; es wurde im regionalen Planungsverfahren bewusst nicht für die Windkraftnutzung vorgesehen. (Windvorranggebiete sind blau gekennzeichnet)

Ein Verzicht auf den Bau an dieser Stelle hätte somit keinen Einfluss auf die gesetzlichen Ausbauziele des Landes Brandenburg. Die gesetzlich geforderten Flächenziele werden bereits durch die ausgewiesenen Gebiete erreicht, in denen der Ausbau vorrangig und netztechnisch sinnvoll erfolgen soll. Der hier geplante Bau erfolgt ohne netztechnische Notwendigkeit und belastet unnötig Landschaft, Naturpark und Bürger.

Weitere Informationen gibt es hier ...

Windvorranggebiete

(Ausschnitt aus dem 2. Entwurf des Teilregionalplans)

Rechenzentrum Vergleich (200MW Rechenzentrum Schwarz Digits in Lübbenau)

4. Dimension des Rechenzentrums

Die offizielle Werbegrafik der Stadt bzw. von EastEnergy vermittelt ein irreführendes Bild einer "parkähnlichen" Struktur:

  • Geplant sind sieben dreistöckige Datenhallen.
  • Inklusive Kühlsystemen und Notstromaggregaten erreichen die Bauten vermutlich eine Höhe von ca. 40 Metern.
  • Mit einer geplanten IT-Leistung von 350 MW und einer Gesamtanschlussleistung von 525 MW entsteht hier ein massiver Industriekomplex.
  • Zum Vergleich: Das bereits im Bau befindliche Rechenzentrum von Schwarz Digits in Lübbenau verfügt über eine Anschlussleistung von ca. 200 MW. Die Dimensionen dort (siehe Abbildung) vermitteln ein realistisches Bild dessen, was uns erwartet – nur dass das Vorhaben in Finsterwalde dieses Projekt in der Masse übertrifft.
  • Dieser Komplex soll in einer Entfernung von unter 200 Metern zur nächsten Wohnbebauung realisiert werden, was einen massiver industriellen Riegel direkt vor die Haustür der Bürger in Nehesdorf setzt.

5. Lärm durch Kühlsystem?

Für das Rechenzentrum ist ein geschlossener Kühlkreislauf (Closed-Loop-System) vorgesehen. Damit entfällt zwar das Risiko eines massiven Spitzenbedarfs von bis zu 10 Millionen Litern Trinkwasser pro Tag, jedoch wird die gesamte Abwärme der 350 MW IT-Leistung nun mechanisch über die Außenluft abgegeben - zumindest lässt sich in den Unterlagen nichts anderes erkennen.

Da dieses System auf gewaltigen Lüfterbatterien basiert, steigt das Risiko einer permanenten Schallemission für das angrenzende Wohngebiet. Ein unabhängiges schalltechnisches Gutachten, das auch die weitreichenden tieffrequenten Geräusche (Infraschall) berücksichtigen muss, wurde zwar empfohlen und zugesagt, liegt aber zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht vor.

Trotz der Belastungen vor Ort gibt es keine verbindliche Zusage, dass das Rechenzentrum als eigenständige steuerliche Betriebsstätte in Finsterwalde angemeldet wird. Damit bleibt unklar, wie die Stadt tatsächlich von der Gewerbesteuer profitieren wird.

Fazit: Die technische Auslegung auf ein geschlossenes System schont zwar die Wasserressourcen, erkauft dies jedoch mit einer massiven baulichen Höhe und möglichen Dauerlärm (Infraschall) für die Anwohner.

Wasserverbrauch

Lüfter für Kühlung (Beispielbild)

Wirtschaftlichkeit

6. Wirtschaftliche Risiken?

  • Bei einem geschätzten Gesamtvolumen von 135 Mio. € für die Windparks (ca. 9Mio € je WEA) entfällt auf die Stadtwerke ein Anteil von ca. 66 Millionen Euro (bei 49 % Beteiligung). Dieser Kapitalbedarf muss langfristig refinanziert werden, bevor über Preissenkungen nachgedacht werden kann.
  • Die Fernwärme soll ca. 50 % der Haushalte/Gebäude erreichen (aktuell ca. 25%). Der Elektrolyseur liefert im Winter (5-MW-Stufe) nur 7 % des Tagesbedarfs. Selbst bei 25 MW bliebe aktuell eine Deckungslücke von 65 %. Je mehr Haushalte/Gebäude angeschlossen werden, desto größer wird die Deckungslücke.
  • Ohne Wind und Sonne produziert der Elektrolyseur 0 % Wärme. Notwendige Speicher zur Überbrückung sind in der Finanzierung bisher nicht enthalten.
  • Da die Anlagen kein (Allein)eigentum der Stadtwerke sind und die Deckungslücken groß bleiben, besteht die Abhängigkeit von externen Energiemärkten und Investoren fort.
  • Trotz der Belastungen ist unklar, ob die Stadt tatsächlich durch Gewerbesteuer profitiert: Aufgrund der hohen Investitionsabschreibungen ist vermutlich in den ersten 10 Jahrenkaum mit nennenswerten Gewerbesteuerzahlungen zu rechnen, während die Lasten sofort bei der Kommune bzw. den betroffenen Bürgern verbleiben.

Fazit: Das Projekt stellt ein erhebliches finanzielles Engagement dar, ohne eine eigenständige oder vollständige Versorgung der Bürgerschaft zu gewährleisten.

7. Bürgerwille: Klare Ablehnung vor Ort

Um ein direktes Meinungsbild in den hauptsächlich betroffenen Gebieten einzuholen, hat unsere Fraktion jeden Haushalt mit einem Flyer inklusive individuellem Zugangscode versorgt. Diese Umfrage dient als Stimmungsbarometer der Anwohner, die im direkten Umfeld der Planung leben und erhebt keinen Anspruch auf eine stadtweite Repräsentativität.

Massive Ablehnung der Windenergie-Pläne Die Auswertung der wertenden Stimmen zeigt eine tiefgreifende Ablehnung des Vorhabens in beiden Ortsteilen. In Nehesdorf bewerteten 100 % der Teilnehmer die Planung negativ, wobei 87,5 % die Note „sehr negativ“ vergaben. Gleichzeitig gaben 81,3 % der Befragten an, die Standorte kategorisch abzulehnen. In Pechhütte zeichnet sich ein ähnliches Bild ab: Hier bewerten 83,3 % der Bürger das Projekt negativ, während nur 11,9 % eine positive Einschätzung abgaben. Etwa 58,1 % der dortigen Teilnehmer lehnen die Windenergieanlagen an diesen Stellen grundsätzlich ab.

Hauptsorgen: Natur, Gesundheit und Lebensqualität Das Meinungsbild wird von großen Sorgen um den Natur- und Anwohnerschutz dominiert. In Pechhütte gaben 90,7 % der Bürger an, dass sie der Schutz der Natur- und Waldflächen am meisten beschäftigt. Akustische Auswirkungen durch Schall und Infraschall sind für 81,4 % der Pechhütter und 87,5 % der Nehesdorfer von zentraler Bedeutung. In Nehesdorf blicken die Anwohner zudem mit großer Skepsis auf das geplante Rechenzentrum, wobei insbesondere eine mögliche permanente Flutlichtbeleuchtung von 81,3 % und die Lärmbelastung durch Kühlanlagen von 78,1 % als belastend empfunden werden. Zwischen 56,3 % und 67,4 % der Teilnehmer befürchten zudem einen spürbaren Wertverlust ihrer Immobilien.

Misstrauen gegenüber wirtschaftlichen Versprechen Die wirtschaftlichen Argumente der Stadtverwaltung und der Nutzen für die lokale Infrastruktur werden von der Mehrheit der Bürger angezweifelt. In Nehesdorf erklärten 59,4 % der Befragten, sie bezweifelten, dass potenzielle Steuereinnahmen tatsächlich bei den Bürgern ankommen würden, während nur 3,1 % dies als überzeugendes Argument werteten. In Pechhütte betrachten 44,2 % diese Einnahmen als zweifelhaft und für weitere 32,6 % ist dieser Aspekt gegenüber den Eingriffen vor Ort nachrangig. Auch der Nutzen für die Fernwärmeversorgung spielt in der Wahrnehmung der Betroffenen kaum eine Rolle und wurde in Nehesdorf von keinem einzigen Teilnehmer als wichtiges Thema markiert.

Kritik an Transparenz und Diskurs Ein vernichtendes Urteil fällen die Bürger über die Informationspolitik der Stadtverwaltung. Auf einer Skala von 1 (sehr schlecht) bis 5 (sehr gut) vergaben 81,5 % in Nehesdorf und 47,4 % in Pechhütte die schlechteste Note. In Nehesdorf empfanden es zudem 43,8 % der Befragten als sehr schwer, überhaupt konkrete Fakten oder Unterlagen zu den Planungen zu finden. Trotz der überwiegenden Ablehnung gab es auch kritische Stimmen zum Diskurs selbst. Einzelne Bürger betonten die Notwendigkeit einer unabhängigen Energieversorgung und warnten davor, sich dem Fortschritt ständig entgegenzustellen. Eine Stimme kritisierte die Informationspolitik unserer Fraktion als zu einseitig. In den Freitexten wurde gefordert, statt wertvoller Waldflächen lieber bereits versiegelte Dächer für Photovoltaik zu nutzen und das angrenzende Naturparadies Grünhaus als Lebensraum für geschützte Arten wie den Kranich unbedingt zu erhalten.

8. Der Aufstellungsbeschluss

Der Aufstellungsbeschluss wird von eingen als unverbindlicher Startschuss oder Prüfauftrag dargestellt, bei dem die Bürger im weiteren Verlauf noch beteiligt werden. Doch weit gefehlt, der Prozess dient keiner ergebnisoffenen Mitgestaltung. Durch die Bindung kommunaler Mittel und die Schaffung politischer Fakten werden kritische Bürgereinwände im späteren Prozess meist nur noch „abgewogen“, aber selten projektentscheidend berücksichtigt. Damit wird die gesetzliche Bürgerbeteiligung zur Formsache, während die eigentliche Grundsatzentscheidung über den Kopf der Betroffenen hinweg bereits mit diesem Beschluss gefällt wird. Darüber sollten sich alle Abgeordneten im Klaren sein. Sprechen Sie deshalb mit Ihren gewählten Vertretern und fragen Sie nach, was genau man sich für die Bürgerschaft und die Stadt verspricht.

Weiterführende Informationen

Stand: April 2026. Basierend auf öffentlich zugänglichen Projektdaten und Erfahrungen anderer Projekte.
Mögliche redaktionelle Fehler bitten wir zu entschuldigen.

Ihre Meinung ist gefragt

Image
Image

MACH MIT!

Finsterwalde MIT DIR gestalten! Wir sind offen für Deine Vorschläge, um Finsterwalde auch für Dich besser, lebenswerter & zukunftssicher zu machen. Wir schauen nicht zu, sondern packen an und wollen etwas bewegen. Unser Motto ist deshalb klar: Nicht nur reden, sondern handeln! Mach mit und zusammen geben wir Dir und Deinen Ideen eine Stimme! Bei uns engagieren sich Bürger für Bürger und du bist herzlich eingeladen Teil unserer Gruppe zu werden.

Unabhängige Bürger Finsterwalde

Die Wählergruppe Unabhängige Bürger Finsterwalde ist seit der Kommunalwahl 2019 in der Stadtverordnetenversammlung Finsterwalde und im Kreistag Elbe-Elster vertreten.
Wir möchten unsere Heimatstadt Finsterwalde gemeinsam mit den Bürgern für die Zukunft positiv gestalten und parteiunabhängig die Interessen aller Einwohner sinnvoll und vernünftig in den Gremien vertreten. Transparenz und Bürgerbeteiligung sind die Grundlage unseres Handelns.

Unabhängige Bürger Finsterwalde unterstützen

Als unabhängige Wählergruppe erhalten die Unabhängigen Bürger Finsterwalde, anders als Parteien, keine Zuwendungen. Wenn Sie die Arbeit unserer Wählergruppe gut finden und uns unterstützen wollen, können Sie gern auf das genannte Konto spenden. Wir sind für jede Unterstützung dankbar. Selbstverständlich erhalten Sie auch eine Zuwendungsbescheinigung. Weitere Informationen ...

TRANSPARENT
UNABHÄNGIG
BÜRGERNAH

UBF#News

Termine

15.04.2026 17:00 Uhr
BSSK-Ausschuss
Sitzungssaal Schloss
16.04.2026 17:00 Uhr
Hauptausschuss
Sitzungssaal Schloss
29.04.2026 18:00 Uhr
Stadtverordnetenversammlung
Sitzungssaal Schloss

Social Media Kanäle

Impressum & Datenschutz

Lange Str. 35, 03238 Finsterwalde
0163/6517485 | info@ub-fiwa.de
Impressum

Datenschutzerklärung